Eine Installation in einem ehemaligem Brauerei Keller whärend der Refugien 8, Berlin,5. 2005
Eine Gruppenarbeit von Richard Schwarz, Thomas Wiczak, Rico Sell (Ton) und Nerz.
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Hoffnung, als negatives, unsterbliches, zerrendes Gefühl, beschrieben in einer Installation mit Ton in einem altem Berliner Brauerei Keller.
Eine grosse, weitreichende und doch filligrane Skulptur in einem sehr voluminösem, altem, unterirdischen Gewölbe versinnbildlicht eine "Hoffnung" die sich ausgemärgelt und mit letzter Kraft in den Tiefen der menschlichen Seele festkrallt.
Visuell:
Dem Betrachter durfte den dunkelen Raum nur allein betreten. Die einzige Lichtquelle stellte die Skulptur selbst dar. Integrierte Kaltlichtlampen liessen die Skulptur von Ihnen heraus scheinen. Die Installation befand sich am hinteren Ende des Raumes, um genaues zu erkennen musste der Betrachter näher schreiten. Durch den mit kleinen trockenen wie matschigen Sandhaufen und Wasserpfützen veränderten unsichtbaren Boden, wurden die Sinne des Besuchers abgelenkt, der Raum forderte jegliche Konzentration ein. Jeh tiefer der Betrachter den Raum erforschte umso eher erkannte er die Form der Skulptur und umso stärker verliess er die Aussenwelt. Dicht am Objekt liessen sich feine gewobene Strukturen erkennen. Aus persönlichen Gründen dienten zur Formfindung der Skulptur abstrahierte dreidimensionale Buchstabengebilde - IDIOMMRX. Eine schwarze Teer Lasur, wasserabstossend, verstärkte optisch den durch Regenwasser verursachten ständigen leichten Wasserfluss an den Seitenwänden.
Auditiv:
Der Brauereikeller ansich bot eine sehr nützliche Tonkulisse an: Stille, einen starken Hall und Wassertropfen.
Rico Sells Sounddesign war sehr zurückhaltend und unterstüzend eingesetzt.
Material:
Sehne, Stretchfolie, Leutchtdioden, Wolle, Schnur, Sand, Wasser
Masse:
Höhe ca. 6 m
Länge ca. 25 m
Breite ca 8 m
Thomas Wicazak über die Arbeit:
"Denn auf Hoffnung hin sind wir errettet worden. Eine Hoffnung aber, die gesehen wird, ist keine Hoffnung. Denn wer hofft, was er sieht?*In diesem Jahr tauft Richard Schwarz das Werk endgültig auf den Titel „Hoffnung“. Ich habe Anteil an Schwarz' kryptischer Hoffnung, obgleich ich erwähnen sollte, dass ich jetzt nicht länger unter jener Hoffnung schreibe, die auf den Bildern zu sehen ist. Meine Hoffnung zeigt sich am Ende.
Worüber ließe sich nun also schreiben? Über die Buchstaben I, D, M, M, O, R, X, welche die richtungsweisenden Grundkoordinaten der skulpturalen Gebilde darstellen? Was ist das für eine Sprache? Wem oder was gilt die Hoffnung darin? Welchen Ein-blick geben die nebenstehenden Abbildungen einem Außenstehenden? Was ist mit den Fotografien und auch ohne sie in mir zurückgeblieben?Das Werk im Bild ist geschossen – tot. Ich selbst bin das Werk eines anderen und meine zu glauben, im Angesicht meiner Selbst und anderer Gegenüber, lebendig zu sein. Was im Bild ist, ist erschossen - tot. Diese Erinnerungen sind ein sich nieder legender Grabes-schmuck. Erwecken wir also und machen lebendig durch das Erinnern. Legen wir den Kranz nieder. JETZT!
Das Kellergewölbe, in dem sich die „Hoffnung“ befindet, wurde zwischen 1863 und 1869 erbaut und unterstand vorrangig der brauereibetrieblichen Nutzung.
"Mit dem Jahr 1925 [erfuhr der ehemalige Brauereikomplex] eine kleinteilige Nutzung durch das expandierende Kraftfahrzeuggewerbe, Fuhrbetriebe, Handwerks-, Produktions- und Lagerbetriebe. Das Eckgebäude und die Keller wurden zu Garagen ausgebaut.Im zweiten Weltkrieg wurde ein Teil der Keller zu Luftschutzkellern umgebaut. [...] In anderen Teilen der Keller wurden elektronische Bauteile für die V-Waffen und Holzvergaseranlagen für Automobile produziert. [...]Bis zur Wende nutzte die Fahrbereitschaft des Magistrats von Ost-Berlin, Abteilung des Staatssicherheitsdienstes ... [der DDR den Gewerbehof, inklusive seiner Kelleranlagen und von ihm abgehende Geheimgänge; auch sollen Untergrundfeiern und gar Teufelsriten hier stattgefunden haben .)“ **Betrittst Du nun die initiierte Hoffnung von Richard Schwarz, falten sich rätselhaft und installierter Klang mit dem selbst verursachten Geräusch deines vorsichtig aufsetzenden Schuhwerkes auf dem kalten Boden aus Stein und feuchtem Sand in deinem Ohr ineinander. Jeder Schritt geht auf im Schall des Raumes. Ab und an fällt ein Tropfen auf den kalten Stein. Ein stürzender Stich aus spitzem Nass direkt durchs Ohrläppchen. Oben mag es Sommerzeit sein und lichtig. Doch hier unten ist das Blut bald kalt. Von dort hinten bis zu mir leuchtet ein in viele Richtungen strebendes Kokongebilde. Welche Art der Energie bezieht sein Licht? Was ist hier verpuppt - nicht atmend aber prächtig glühend im Dunkel? Schmetterlingslarven oder Käfer, Spinnen und Würmer? Was glaubst Du? Es scheint aus sich heraus und beleuchtet ein zweites, unfertig anmutendes Gewebe. Ich erkenne es erst, komm ich dem Gesponnenen viele Schritte näher. Ich betrachte ein sich scheinbar im Aufbau befindendes Gerüst. Eine Verpuppung im Vorstadium? Jedoch ohne Inhalt? Mein Geist wird luftfeucht, der momentanen Atmosphäre gleich und ich erinnere mich an den unangenehm fremden Atem während des Spinnens:
In den kühlen unterirdischen Gemächern schlief ein Riese, der ruhig und schwer atmete. Ich war ein Stück Tageslicht in seinem Ohr, sein Selbst verlierend im Spinnen und Richten weißer Wolle - am Ende erkrankte ich gar. Die Wände reflektierten noch immer die Geister, die sich in den anderthalb Jahrhunderten dort angesammelt hatten. Und ich erinnere mich genau an die Situation, in der ich auf zerbeulte Ölfässer schlug und improvisierte und Herr Schwarz den Teufel aus sich brüllte. Dies war bei weitem keine publikumsreife Performance, aber Erweckung und wildes Toben der Geister, die im Gähnen des Vergangenheitsriesen nun tanzten und schrien. War es Vertreibung? War es Erweckung? War dies ein Donnerwetter, dessen Blitze in die geschichtlichen Dunkelheiten des Gewölbekellers stachen und sie huldigend beschwor, ohne es zu wissen? Oder sprang es in und um unsere seelischen Gewölbekeller sowie aus ihnen heraus und hervor, hin und her?
Die Vergangenheit bleibt uneinholbar. Wer in ihr webt, der ist verloren, denn es gibt unfassbar viel von ihr. Sie ist eine Mächtige -
(Schau sie dir gut an!****).
Erinnere ich mich nun zurück, ist dieses Erlebnis mit Richard Schwarz, die intensivere und stärkere „Arbeit“ dort unten gewesen. Da hier etwas Gemeinsames, Interaktives und Unmittelbares geschah. Etwas nicht zu Greifendes - Unfassbares. Die Arbeit an den hier auszugsweise zu betrachtenden Skulpturen, verlief weniger gemeinsam als nacheinander und die Übergänge, Nähe und Kontakte der Objekte erscheinen mir eher als ein geronnenes Konstrukt - nicht mehr und nicht weniger, ganz im Gegenteil zu unserem die Wände peitschenden Geschrei und Getrommel.
Und nun, auf was harre ich, Herr? Meine Hoffnung, sie gilt dir!***
Thomas Wiczak (17.03.2007)
* Römer8:24**Hofhistoriker Dr.Martin Albrecht, in Report02, Gewerbehof in der alten Königsbrauerei, Mai2006
***Psalm39:8****Die Stadt der Vergangenheit, in Eine Träne und ein Lächeln , Khalil Gibran"